Salamandertrip nach Asiago/Italien

Von 6.-8. Juni besuchten wir unseren Kollegen Enrico in Asiago, um die Gegend und vor allem die Salamander dort zu erkunden. Nach einer langen Anreise über viele, viele Kurven einer engen Gebirgsstraße kamen wir am Mittwoch Abend in Asiago an. Asiago liegt in der Hochebene von Vicenza auf etwa 1000 m über dem Meer und ist von bis zu 2.336 m hohen Bergen umgeben. So richtiges “Italien-Flair” stellte sich deswegen bei uns nicht ein, denn die Hinfahrt glich eher einer Rundreise durch österreichische Almregionen. Aber die italienische Sprache und die super leckere Pizza am ersten Abend überzeugten uns dann doch davon, dass wir in Italien und nicht in einem österreichischen Bergdorf gelandet waren. :-)

Am nächsten Morgen machten wir uns auf den Weg zur “Terra typica” von Salamandra atra aurorae, dem Bosco del Dosso, wo diese Unterart 1982 von Trevisan entdeckt und nach seiner Frau Aurora benannt wurde. Passenderweise bedeutet “Aurora” auch Sonnenaufgang, wo ja Salamander bekannterweise besonders aktiv sind, und außerdem auch “golden”, was unglaublich gut zur Färbung dieser besonderen Salamander passt.
Das Habitat der Salamander dort ist gekennzeichnet durch Abies alba, der Weißtanne, mit einigen Laubbäumen durchsetzt, außerdem vielen Steinen und Höhlen. Diese vielen Steine umzudrehen war dann unsere Aufgabe, denn die Salamander sitzen, wenn es nicht regnet und man ganz viel Glück hat, unter ihnen. 6 Personen drehten also einen Stein nach dem anderen um, was eine ganz schön ermüdende Aufgabe sein kann. Enrico ist da wirklich zu bewundern, denn er macht das ständig. Wir kamen schon nach kurzer Zeit zu dem Schluss, dass uns da unsere Feuersalamander bedeutend lieber sind, denn um diese zu finden, muss man nur warten, bis es regnet und nicht Hunderte von Steinen umdrehen. Aber dann, nach einiger Zeit mühevoller Suche schallte ein Freudenschrei durch den Bosco del Dosso: Magdi hatte tatsächlich einen juvenilen Salamandra atra aurorae unter einem Stein zusammengerollt gefunden. Riesige Freude bei allen Beteiligten, besonders natürlich bei den Aurora-Erstbetrachtern! Kameras und weiteres Equipment wurden herbeigeschafft und der wunderschöne, zarte, kleine Salamander wurde von Groß und Klein ausgiebig begutachtet und von Enrico in seine Datenbank aufgenommen.


Nur kurze Zeit später fand Klaus ca. 2 m neben dem ersten Fundort einen weiteren, noch kleineren Salamander. Unsere Begeisterung war nicht mehr zu übertreffen. Bei längerem Hinsehen erscheint das Gelb dieser Salamander wirklich nicht mehr gelb, sondern es bekommt einen wunderschönen, goldenen Schimmer!



Leider ist das Habitat der Aurora-Salamander stark gefährdet, weil viele der großen, alten Weißtannen bereits zum Abholzen markiert sind. Und wenn wirklich alle markierten Bäume abgeholzt werden, dann bleibt vom Habitat nicht mehr viel übrig, wie wir mit Entsetzen feststellen mussten. Bagger und Abholzfahrzeug standen leider auch schon bereit. Enrico wird mit den dortigen Verantwortlichen und den Medien sprechen, um diese wieder einmal unnötige Zerstörung eines Lebensraumes, der eigentlich geschützt sein sollte, zu verhindern! Für die Aurora-Salamander hätte die Zerstörung dieses Habitats verheerende Auswirkungen, denn diese Unterart kommt endemisch in dem Gebiet um Asiago vor.


Nach diesem sehr erfolgreichen Tag gönnten wir uns ein deftiges Mittagessen in der naheliegenden Mautstation, welche angeblich ein beliebter Treffpunkt aller Aurora-Besucher ist.
Am späten Nachmittag trafen wir noch ein paar Freunde von Enrico, die alle eine sehr besondere Sprache, Zimbrisch, sprechen. Zimbrisch ist die traditionelle oberdeutsche Sprache der Zimbern in Oberitalien, die in drei Sprachinseln gesprochen wurde und bis Ende des 18. Jahrhunderts Kirchen- und Amtssprache in der ehemaligen Republik der Sieben Gemeinden rund um Asiago war. Sie ist eine Sondervariante des Bayrischen und gehört zu den deutschen Mundarten. Heute ist sie nur noch im Dorf Lusern im Trentino Alltagssprache und hat nicht mehr als 1000 Sprecher. Diese Sprache klingt teilweise sehr ähnlich dem Althochdeutschen und unserer Salzburger Mundart, deswegen konnten wir uns auch (mehr oder weniger) gut mit den “Zimbern” verständigen. Eine weitere Besonderheit also, die nur in Asiago zu finden ist. Wahrscheinlich verstehen die Salamander dort auch nur zimbrisch…


Nach einem Abendessen bei guter Pizza und einem typisch italienischen Aperol-Spritz machten wir uns am nächsten Tag auf den Weg zu einem weiteren Habitat von Salamandra atra aurorae. Leider waren wir diesmal nicht so erfolgreich wie am 1. Tag, es war zu trocken und auch nach vielen, vielen umgedrehten Steinen hatten wir noch keinen Salamander gefunden. So beschlossen wir, die Suche aufzugeben und dafür im Sommer noch einmal wiederzukommen, um noch eine weitere sehr seltene Unterart des Alpensalamanders, Salamandra atra pasubiensis, am Monte Pasubio zu besuchen.

Auf der Heimfahrt machten wir noch einen kurzen Abstecher zum Monte Grappa, auf dem es ein Denkmal für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Italiener, Österreicher und Ungaren gibt. Bei sehr kühlen Temperaturen und schiefen Regenfällen, bei denen einem ein Schirm überhaupt nichts bringt, besichtigten wir diese eindrucksvolle Grabstätte. Auf dem Monte Grappa ruhen 12.615 italienische und 10.295 österreichisch/ungarische Soldaten. Nach diesem Einblick in die düstere Seite der österreichisch/italienischen Geschichte fuhren wir nach Hause ins ebenso kühle und regnerische Österreich.

Es war ein sehr spannender, informativer und wunderschöner Ausflug ins italienische Hochgebirge für uns alle. Vielen Dank an Enrico, dass er uns diese seltene Salamanderart näher gebracht hat, und für die lustige, wenn auch kurze Zeit in Asiago. Es hat uns großen Spaß gemacht und wir kommen bestimmt bald wieder vorbei! :-) Immerhin gehören wir nun zu den wenigen Auserwählten, die den Aurora-Salamander schon mal live und in Farbe gesehen haben! :-)

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